Eine Liebeserklärung an den Dobel

"Uf'm Dobel, do isch es nobel", so haben es die älteren Dobler ausgedrückt, wenn sie von ihrer Heimat gesprochen haben. Ein gewisser Stolz auf die landschaftliche Schönheit der Dobler Höhe mag dabei mitgeschwungen haben, und folgte noch: "Uf'm Dobel droba, do gibt's de rechte Schwoba!" - konnte man mit Sicherheit sagen, ein Quentchen Dobler Selbstbewußtsein war mit im Spiel.
Bloß a Weile
Bloß a Weile

Doch eben mit den "echten Schwobe" ist's so eine Sache: Ganz so einfach läßt sich das für Dobel und seine Bewohner nicht sagen; doch davon später.

Ein namhafter Feriengast, wohl einer der ersten Dauergäste überhaupt, lobte gleichfalls die natürlichen Reize und das Schöne der Dobler Landschaft mit deren höhenklimatischen Heilkräften. Er war selbst kein Schwabe, er war Badener und kam aus Karlsruhe, genau genommen aus dem südbadischen Schwarzwald. Ein echter Wäldlerbub aus dem Wiesental und kein geringerer als Johann Peter Hebel (1760 - 1826). Vor knapp 200 Jahren war er, damals Pädagoge und Theologe in Karlsruhe, von einer fast unstillbaren Sehnsucht nach seinem heimatlichen Wiesental befallen, heimwehkrank "auf dem Tobel" gekommen.

Von einem "voll schöner Innigkeit erfüllten Briefwechsel" mit der Pfarrerstochter Gustave Fecht im Oberland erfahren wir von seinem Ferienaufenthalt im August 1799 und seinen Eindrücken im Ferienort Dobel; er schreibt: "... ein hoher Berg kann lieblicher sein als ein feuchter Badekasten, und seine Luft gedeihlicher als warmes Wasser, und die stille Beobachtung der ländlichen Menschheit interessanter als ein Gwühl von 400 Badegästen ..."

Und danach berichtet er uns von seinem Aufenthalt mit den Eindrücken seiner Höhenkur: "Ans Arbeiten komm' ich selten, nur mit Müh und Not ...", und der Lokalreporter ergänzt dazu: "Weil er voller Behagen das beglückende Gefühl des Unabhängigseins in vollen Zügen genoß."

Der Feriengast selbst beschreibt das so: "Von sechs bis acht Uhr spazieren gehen, dann heim: Kaffeetrinken, um bis 12 Uhr an den Kirchengebeten arbeiten, lesen, Briefeschreiben ..., nachmittags sich dem Zufall oder sich selbst überlassen ..."

Ein wichtiger Brief schildert das Dobler Schlüsselerlebnis, wie ihm an einem geruhsamen, müßiggängerischen Tag "die Stunde schlägt, wo der dichterische Funke sich entzündet", um ihm den Weg zur volkstümlich-alemannischen Dichtkunst zu erschließen. Noch während der Dobler Tage reifen die Pläne für sein späteres Erstlingswerk der "Alemannischen Gedichte". Sie sollten ihm den ersten, literarischen Ruhmeskranz um seine Stirne flechten. Aus Dobler Sicht berichtet der Chronist dazu: "Just als der hochwürdige Feriengast in seinem Wirtshaus unter dem Fenster lag, hörte er vom Garten herauf liebliche, alemannische Laute an sein Ohr dringen: "Franz, was hesch gueggelet?" fragte eine feine Dame ihren Begleiter, einen ebenso feinen Herrn (die Feinheit noch extra durch ein Augenglas am Band unterstrichen). Die Antwort drauf, im lieblichen Mundartdialekt des Süd-Schwarzwälders: "Numme do, no d'r Amsel hani glueget ...!"

Dieser Wortwechsel beglückte unseren Ferien- und "Zaungast", auch wenn er als Vogelkenner sofort erkannte: die Amsel war keine Amsel, sie war eine Wachtel; aber das war nicht wichtig! - Die heimatlichen Sprachlaute waren es, die den bisher grüblerischen Professor so stark ergriffen, daß die heimliche Herzensnot sich löste "und sein Seelengemüt über Berge und Täler hinweg, in den geborgnen Schoß seines beschaulich-besinnlichen heimatlichen Oberlandes führten ...". "Aus schwingenden und gleitenden Gedanken wuchsen und reiften zur Beglückung und Erbauung der Zeit und Nachwelt Reime und Verse: die "Alemannischen Gedichte" ...

So etwas skizzieren die Überlieferungen den Dobler Erholungsaufenthalt von Johann Peter Hebel und halten damit die Erinnerungen an Dobels ersten prominenten Kurgast wach.

Zu jener Zeit konnte der Höhenort noch nicht mit dem Prädikat "Heilklimatischer Kurort" aufwarten oder gar spezielle Kureinrichtungen im modernen Sinne vorweisen. Allein die Dobler Schätze "Natur und Landschaft mit Höhenklima, Waldeinsamkeit, Ruhe und Stille" hatten genügt, den späteren Verfasser des "Schatzkästleins" aus der Krise einer depressiven Lebensphase herauszuführen, ihm den Weg zum großen badischen Heimatdichter und Erzähler mit einer Sprache zu weisen, von der Martin Heidegger meinte: " ... sie sei die einfachste, die hellste, zugleich bezauberndste und besinnlichste, die je gesprochen worden sei ... In seinen Kalendergeschichten werde das Bleibende im Unscheinbaren anschaulich vermittelt.