Dobels Rathäuser - Teil 3

Der Totalverlust des Schulhauses zwang zu raschem Handeln. Bereits 1915 konnte der Schulbetrieb in dem heutigen schmucken Schulhaus unter wesentlich besseren Voraussetzungen wieder aufgenommen werden.
Dobels Rathäuser - Teil 3
Dobels Rathäuser - Teil 3

Aber die Gemeinde hatte noch weitere große Bauabsichten. In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts hatte sich der Dobel als Sommerfrische einen guten Namen gemacht. Dazu hatte die neue Straßenverbindung ("Poststraße") ins Enztal und ins Albtal einen großen Teil beigetragen. Für die Wildbader Kurgäste war Dobel wegen seiner aussichtsreichen Hochlage zu einem beliebten Ausflugsort geworden, der jetzt mit der Postkutsche leicht zu erreichen war. Zugpferd des Kurbetriebs war das dem neuen Rathaus benachbarte "Kurhotel Sonne".

Die Gemeindeverwaltung unter Schultheiß Allinger setzte auf den weiteren Ausbau des Tourismus, der auch für die hauptsächlich im Wald beschäftigten Einwohner eine wirtschaftliche Verbesserung versprach. Es wurde ein "Verschönerungsverein" gegründet und es entstand das "Schulwäldle" als kleiner Naturpark. 1914 ließ die Gemeinde Baupläne anfertigen für den Anbau eines Bürgersaales an das neue Rathaus (Geb.133), mit Einrichtungen für Kurgäste (Lesesaal) und einem Kurgarten im Anschluss.

Kurhausanbau Giebel     Kurhausanbau

Es wurde nichtsmehr daraus. Im August 1914 begann der Erste Weltkrieg und es gab ganz andere Sorgen.

Das Schultheißenamt blieb zunächst im Erdgeschoss, im ersten Stock befanden sich Lehrer-Wohnungen.

Nach Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise kam der Tourismus langsam wieder in Gang; der gute Name Dobels als Sommerfrische zog immer noch. Neben dem Kurhotel Sonne war jetzt aber mit dem "Funk" ein weiteres Zugpferd hinzugekommen. Die wachsende Skisportbegeisterung belebte den Tourismus nun auch im Winter. An den "Ski-Sonntagen" strömten Heerscharen von Wintersportlern auf den Dobel. Die Schneemeldungen von Hotelier Robert Funk sind Legende.

Noch vor dem Krieg wechselte der Schultheißmit seinen Mitarbeitern in den ersten Stock. Im Erdgeschoss wurde dadurch Platz geschaffen für ein Lesezimmer für Kurgäste. Sogar eine Zahnarztpraxis (Dr.Dubberke) gab es im Rathaus. Die "Landjäger" erhielten ihre Diensträume imErdgeschos, und im Kellergeschoss befand sich die für jedes Rathaus obligatorische Arrestzelle.

Beim Bombenangriff am 4. Dezember 1944 entging das Rathaus nur knapp seiner Vernichtung. Das nur 30 m entfernte Kurhotel Sonne wurde durch einen Volltreffer total zerstört. Einundzwanzig Totewaren im Ort zu beklagen. Das Rathaus diente als Verbandsplatz für die zahlreichen Verletzten.

Das Wirtschaftswunder nach dem Krieg brachte auch den Fremdenverkehr auf dem Dobel wieder in Schwung und die Gäste- und Übernachtungszahlen stiegen rasant an. Viele Dobler räumten im Sommer ihre Wohn- und Schlafzimmer für die "Kurgäste".

Die Gemeinde unter ihrem neuen Bürgermeister Ernst Fischer unterstützte diese Entwicklung mit Kräften. Man knüpfte an die alten Pläne von 1914 an, eine Kureinrichtung sollte geschaffen werden. Dafür stand jetzt jedoch ein besser geeignetes Grundstück zur Verfügung.

Die dafür vorgesehene Wiesenfläche war über Jahrhunderte im Eigentum der "Sonnenwirte" und diente vor dem Krieg als Liegewiese. Der Wiederaufbau des "Kurhotel Sonne" kam an der bisherigen Stelle wegen der beengten Verhältnisse in der "Sonnenkurve" nicht mehr in Frage. Hotelier Emil Bossinger, der beim Bombenangriff Frau und Tochter verloren hatte, plante den Neubau auf seiner Liegewiese.Die Baugruben wurden ausgehoben. Aber dabei blieb es leider, das Vorhaben wurde nicht mehr vollendet. Die Gemeinde erwarb das Grundstück, verfüllte die Baugruben und legte darauf zunächst eine kurörtliche Grünfläche an. In den Jahren 1959/60 erfolgte dann der Neubau des Rat- und Kurhauses. 1982/83 wurde unter Bürgermeister Westenberger der neue Kursaal angebaut.

Neues Rat- und Kurhaus     Altes Rathaus "Hotel Ratskeller"

Das alte Rathausareal wurde an Privat verkauft. Es wurde zu einer Gaststätte mit Fremdenzimmern, Tanzsaal, Dachterrasse, Kellerbar, Kegelbahn usw. umgebaut. Als Erinnerung an die frühere Nutzung wurde der Betrieb "Ratskeller"; getauft. Viele Jahre lang und für viele Dobler war der "Ratskeller" ein beliebter Treffpunkt in der Ortsmitte. Den stetigen Niedergang dieses Gebäudes und sein trauriges Ende konnte jeder mitverfolgen.

Zum vorerst letzten Standortwechsel der Gemeindeverwaltung kam es 1987. In den Brunnenwiesen wurde für den Pfarrer ein neues Wohnhaus erstellt, das bisherige Pfarranwesen stand deshalb zum Verkauf. Die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Gerhard Westenberger entschloss sich, dieses ortsbildprägende Ensemble zu erwerben. In sorgsamer und architektonisch gelungener Weise wurden diese historischen Gebäude saniert und zum Rathaus und Bürgertreff umgebaut.

Tafel PfarrhausDas alte "Pfarrgehöft" ist quasi "adliger Herkunft", denn im Jahre 1815 benutzte man bei dessen Bau die noch brauchbaren Materialien des wegen Baufälligkeit gerade abgebrochenen "großherzoglich badischen Jagdhauses Eschbach", das im Jahre 1719 erbaut worden war.

Bernhard Kraft